Berufung und Lebensvision

 
Tobias Faix hat unlängst sein neues Buch mit dem Titel „Logbuch Berufung“ vorgestellt und bloggt nun regelmäßig zum Thema. Ich muss zugeben, dass mich auch mehrere Bücher mit dem Thema Berufung geprägt haben, als ich meine Seminare zur Lebensvision ausarbeitete. Was aber ist unter Berufung zu verstehen?

Das Lateinische Wort „vocatio“ bedeutet, in eine besondere Aufgabe berufen zu werden. Das kann in kirchlicher Bedeutung von Gott sein oder auch in politscher Bedeutung (wie auch heute noch der Bundespräsident berufen wird). Heute spricht man bei Berufung aber eher von einer „inneren Stimme“. Diese Berufung kann manchmal zum Beruf sein, manchmal auch nicht. Aber sie ist eine Aufgabe, ein Auftrag, mitunter auch eine Lebensaufgabe. Auf jeden Fall ist es etwas, dass die Person mit besonderer Leidenschaft verfolgt und in seiner Art und Weise auch gut kann. Berufungen sind so unterschiedlich wie die Menschen unterschiedlich sind.

Gerade wenn es eine innere Stimme ist, fragt sich, wer bzw. was in uns spricht und vor allem wie. Denn selbst wenn man an Gott glaubt, wird er in den seltensten Fällen hörbar seine Stimme erheben um jemanden zu berufen. Außerdem biete ich meine Berufsberatung und Seminare ja auch nicht nur brav gläubigen Klosterschülern an. :-)

Hinhören heißt dann zu wissen bzw. herauszufinden was man gut kann. Denn nur was man kann, macht auf Dauer auch Spaß. Da Leidenschaften sich daraus entwickeln, was dem jeweiligen Menschen wichtig ist, lege ich darauf in meinen Seminaren und Coachings einen besonderen Wert. Sehr wichtig ist aber auch die Geschichte jedes Menschen mit seinen Erfahrungen und Prägungen. Ich selbst würde heute vermutlich nicht im Bereich Berufsfindung arbeiten, wenn ich als Teenager einen zu mir passenden Beruf gewählt hätte. Doch so entwickelte sich über Jahre in mir immer mehr die Leidenschaft, mich dafür einzusetzen, dass die Menschen mit ihrer Arbeit glücklich und motiviert sind.

Warum ich mich für den Begriff „Lebensvision“ entschieden habe? Ich mag die Aktivität, die der Begriff impliziert. Ich höre auf die innere Stimme, erforsche meine meine Geschichte, Neigungen und Werte. Aber ich entscheide. Selbst wenn ein anderer (und sei es Gott) mich in eine besondere Aufgabe ruft, muss ich mich dafür entscheiden und seine Vision zu meiner Vision machen.

Ich mag den Begriff „Lebensvision“ auch, weil er deutlich macht, dass es um mehr als Beruf und Geldverdienen geht. Es geht um Leben. Es empfiehlt sich immer, auch für andere Lebensbereiche als den beruflichen, Ziele zu stecken.
Die wenigsten meiner Klienten würden wohl von einer Berufung sprechen. Aber vielleicht, dass es jetzt „einfach passt“ oder dass sie sich „das Richtige getraut“ haben. 

 

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